Digitaler Deutsch-Japanischer Youth Summit 2020

Digitaler Deutsch-Japanischer Youth Summit: Die Pandemie und Wir 

Abstand halten und zu Hause bleiben: Seit Beginn 2020 wurde unser gesellschaftliches Leben größtenteils pausiert. Wir alle mussten mit verschiedenen Einschränkungen leben und auch auf persönliche Treffen verzichten. 

Auch der internationale Austausch stand für die meisten von uns still und muss sich nun vorerst neu erfinden. Auch und insbesondere in diesen Zeiten wollten wir die Möglichkeit zum deutsch-japanischen Austausch bieten. Deshalb haben wir den Digitalen Deutsch-Japanischen Youth Summit unter dem Titel “Die Pandemie und Wir” veranstaltet

Der Workshop fand am 12. und 13. September 2020 von 9-13 Uhr statt. Ein Rückblick.

Digitaler Youth Summit 

Wer von den Hallo-Programmen gehört hat, weiß, dass diese nicht nur aus einem Input zu unterschiedlichen Themen wie Kultur, Politik und Bildung in den Ländern Japan und Deutschland bestehen, sondern dass das Programm zu einem großen Teil ausmacht, dass hier intensive Begegnungen zu langjährigen Freundschaften werden. Ehemalige Teilnehmende erinnern sich sicherlich an die hitzigen Diskussionen zu Themen, über die man vielleicht sogar erst Lernen muss zu reden. Und der ein oder andere „Aha!“- oder „Oh!“-Moment fällt einem bestimmt auch noch ein. 

Doch im Jahr 2020, in dem wir alle mit der Covid-19-Pandemie zu tun hatten, waren „intensive Begegnungen“ auf engem Raum mit vielen Menschen leider nicht möglich. Als Verein, der sich dafür einsetzen möchte, dass sich Menschen aus Deutschland und Japan austauschen, standen wir vor der Herausforderung, mit diesem Problem umzugehen. Wie kann man Menschen zusammenbringen, wenn diese sich nicht direkt gegenüberstehen sollten? Und wie kann man Menschen zusammenbringen, wenn ihnen nicht erlaubt ist, in das Land des jeweils anderen zu reisen? 

Die Antwort war einfach: DIGITAL. Das Internet ermöglicht uns, Freundschaften in aller Welt zu pflegen, wieso sollte es nicht auch dafür genutzt werden, neue Freundschaften entstehen zu lassen und sich über Themen zu unterhalten, die uns interessieren? Aber kann ein digitaler Austausch ein Ersatz für so etwas wie das Hallo-Programm sein? 

Bewährtes Konzept im digitalen Gewand? 

Im Rahmen der Digitalisierung stellt sich immer die Frage, ob bewährte Konzepte einfach nur durch digitale Medien ergänzt werden können oder ob für die digitalen Medien ein neues Konzept erstellt werden muss. Im Falle des digitalen Youth Summits wurde sich auf eine Mischung geeinigt. Mit dem Ziel ein Hallo-Programm nur eben in digital zu erschaffen, war man schnell an seine Grenzen gestoßen (Zeitunterschiede, örtliche Trennung, …) und dennoch wollte man den Charme des Programms ins digitale übertragen. D.h. auch im digitalen Austauschprogramm gab es Gruppen zu unterschiedlichen Unterthemen, die sich mit dem Oberthema „Die Pandemie und wir“ beschäftigten. Nur dass die Gruppen diesmal kleiner waren und statt eines Inputs von externen Persönlichkeiten, blieb alles eher privat und die Teilnehmenden konnten mit ihren Erfahrungen und Erlebnissen etwas zum Wissen der Gruppe beitragen. Zu den Themen Arbeit, Kultur, Reisen und Wissenschaft wurde sich in den Gruppen verschiedenen Fragen genähert. (Der Erfahrungspool der Teilnehmenden bot dabei interessante Einblicke in den Alltag der Menschen und deren Umgang mit der Pandemie.) 

Wie lief das Programm ab? 

Innerhalb des Programms war es das Ziel, dass sich die Teilnehmenden mit Hilfe von drei Fragen zu ihrem Thema kennenlernen. Anhand der Fragen Wie bin ich betroffen?, Was vermisse ich? und Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede können wir zwischen dem Leben in Deutschland und Japan feststellen? sollte den Gruppen ermöglicht werden, sich auszutauschen, voneinander zu lernen und das alles mit den anderen Gruppen über eine Präsentation zu teilen. 

Doch wie in den Hallo-Programmen üblich, bleibt es nicht immer ganz so ernst. Natürlich sollte auf Kennenlernspiele und -aktivitäten nicht verzichtet werden. Ach ja, ラジオ体操 (Radio Taiso) hatte auch seinen Auftritt und bot eine gute Gelegenheit sich etwas zu bewegen, nachdem man für einige Stunden vor dem Computer saß. 

Das Programm zeigte die Vorteile der digitalen Medien. Meinungsbilder und Erfahrungen konnten so über die gemeinsame Arbeit an Dokumenten und virtuellen Tafeln dargestellt werden. Die Möglichkeit an einer nahezu unendlichen Quelle an Bildern zuzugreifen, mit denen man seine aktuelle Situation beschreiben konnte, bot den Teilnehmenden die Möglichkeit sich auch ohne perfekte Sprachkenntnisse auszudrücken. 

Am Ende gab es interessante Einblicke in die Leben der Menschen und sogar einige Punkte, in denen wir voneinander lernen können oder die Diskussionsbedarf aufzeigten und bei einigen Teilnehmenden den Wunsch nach noch mehr Gesprächen weckten. 

Ersatz, Ausgleich oder doch nur ein Verstärker der Sehnsucht? 

Das Jahr 2020 und vor allem die Pandemie haben uns vermutlich gelehrt, dass es für viele Dinge keinen endgültigen Ersatz geben kann. Ein Hallo-Programm bei dem man zusammen Arm in Arm beim Karaoke in ein Mikrofon brüllt, bei dem man abends zusammensitzt und selbstgemalte Bilder bei einem Spiel weiterreicht ist eben etwas, dass man in der Pandemie nicht ersetzen kann. Aber man kann einen Ausgleich bieten. Es ist möglich sich auch in Zeiten wie diesen näherzukommen, auch wenn der Globus einen geografisch trennt. Vielleicht mit den Worten einer Teilnehmerin: „[…] Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es das [Programm] wirklich komplett ersetzen [kann]. Aber ich bin so dankbar, dass es diese Möglichkeit jetzt gab, sich auszutauschen – gerade mit all diesen Sorgen, die wir jetzt hatten […] und einfach mal zu fragen ‚Hey, wie ist es dir ergangen?‘.“ 

Die Organisator*innen im Interview mit IJAB (Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.)